Anhänger an den Camper oder doch den Camper Auflasten, ist die Frage, welche sich stellt wenn man nach einiger Zeit der Nutzung den Camper auf die Waage gestellt hat. Upsi! Dies sind dann doch wohl mehr Kilos als angenommen!

Oft unbemerkt sammeln sich immer mehr Ausrüstungsgegenstände und Zubehör an. Dann kommen noch hier ein paar Dinge mit in den Camper, finden aber den Weg nicht mehr hinaus und werden so dann auch immer wieder mitgenommen. Ob man diese braucht oder nicht. Rein nach dem Motto: „Haben ist besser als brauchen!“, und so sammeln sich die Kilos an. Da aktuelle Camper schon von Grund her recht schwer sind, und somit die Grenze von 3,5t schnell erreicht ist, muss in vielen Fällen eine Lösung her!

Anhänger oder Auflasten?

Anhänger sind nicht immer die Lösung, denn wohin damit wenn man ihn nicht braucht, und das Auflasten ist technisch aufwendig und bringt weitere Änderungen mit sich. Doch was ist nun die richtige Lösung? Wir von Camper1x1.de haben beide Varianten einmal kurz beleuchtet!

Der Anhänger

Grundsächlich ist der Anhänger, bzw. eine Anhängerkupplung am Camper, vor allem eine flexible Sache. Einmal eine Anhängerkupplung am Camper, und es können die verschiedensten Aufgaben mit dem Camper bewältigt werden. Mal sind die Bikes (Motorräder, Quad etc.) auf einem Anhänger zu transportieren, ein anderes Mal der kleine Stadtflitzer für den Urlaubsort, oder auch Fahrräder, Zelte und Boote fühlen sich im Anhänger wohl! Und oft geht da noch viel mehr rein. So zum Beispiel das Vorzelt, die Bierzeltgarnitur, Vorrat und noch sooo viel mehr!

So kann man den Camper vom Gesamtgewicht stark entlasten und alles was schwer ist in den Anhänger packen! Auch lässt sich der Anhänger mal hinter dem PKW anhängen und so sind auch andere Aufgaben ohne Camper zu bewältigen.

Also schon DIE LÖSUNG? Sicherlich nicht, denn auch hier gibt es ein paar Dinge, welche die Wahl eines Anhängers wiederum fraglich machen.

Die größte Frage stellt sich, wo der Anhänger abgestellt werden kann, wenn man ihn nicht benötigt! Oft ist es schon ein Problem einen Platz für den Camper zu finden, nun ist da noch ein weiteres Fahrzeug unterzubringen. Hier können weitere laufende Kosten durch gemietete Abstellplätze etc. entstehen!

Auch KFZ Steuer und Versicherung sind weitere laufende Kosten, welche unbedingt in die Gesamtrechnung mit hineingehören. Wartung, TÜV etc. sind hier auch noch zu nennen.

Mit dem Anhänger unterwegs

Und unterwegs ist der Anhänger dann doch schon mehr ein Bremsklotz! Auf der Fahrt merkt man diesen dann doch schon. Geht es steil bergauf und hat der Camper mit sich schon viel zu tun, kann ein Anhänger das ganze Gespann noch langsamer werden lassen. So kommt es auch schon mal vor, dass ein LKW mit einigen Hundert PS locker an einem vorbeizieht! Auch geht der Kraftstoffverbrauch nach oben. Hier sind Werte von ein bis mehrere Liter pro Kilometer üblich. Wir in der Camper1x1.de Redaktion haben einen zweiachsigen Koffer Anhänger hinter unserem Redaktionsmobil. Hier gelingt es zum normalen Kraftstoffverbrauch nur ca. einen Liter mehr auf 100 Kilometer zu verbrauchen, was aber auch eine ECO-Fahrweise bedingt. Hier ist Achim Daniels als Fahrtrainer trainiert, was er ganz gerne in unseren WORKSHOP TOUREN den Teilnehmern/innen erklärt!

Doch ist der Anhänger schon älter, hängt mehr im Wind, oder ist er einfach sehr schwer, geht es mit dem Kraftstoffverbrauch sofort richtig rauf!

Unterwegs ist es auch oft nicht möglich mal kurz anzuhalten um kurz mal zum Bäcker oder zum Einkaufen oder oder. Es kann sogar schon mal an der Tankstelle der Anhänger stören oder die ganze Sache etwas komplizierter werden lassen! Gerade hier haben wir schon mal böse Worte ernten können, da wir durch unsere Länge eben zwei Zapfsäulen blockierten!

Bei Überfahrten auf großen Fähren sind Anhänger eher problemlos, was auf kleinen Fluss Fähren auch schonmal unmöglich sein kann!

Mit dem Anhänger auf den Stellplatz

Ein weiteres Thema sind die Stellplätze, welche nicht immer die Mitnahme eines Anhängers einfach machen. So kann das Befahren eines Stellplatzes stellenweise sehr schwer, bis gar nicht möglich sein.

So zum Beispiel in Kempten im Allgäu. Möchte man hier das Stadtzentrum erkunden, bietet sich der Stellplatz in der Nähe des Zentrums an. Doch hier sind auf ehemaligen kurzen PKW Parkplätzen einfach ein paar Camper Stellplätze für maximal drei Nächte entstanden. Problem ist, ist man zu lang, oder hat man einen Anhänger dabei, ist die Anfahrt einfach unmöglich. Doch einmal hineingefahren muss man aber auch wieder heraus, doch dies geht nur dann rückwärts, denn Wenden ist hier nicht möglich. Überall stehen geparkte PKW und es gibt keine Wendeschleife, geschweige denn etwas Platz zum Wenden. Hier zeigt sich dann, ob man ein Camper Fahrer/in ist, welcher mit einem Anhänger geübt ist, oder ob dies dann zur Katastrophe wird. Bei unserem Besuch im Juli 2023 war ein Wendemanöver geradeso noch machbar. Gestanden haben wir dann auf den Bus-Parkplätzen, denn diese waren gut zu befahren und waren leer!

Aber auch andere Stellplätze sind für Gespanne nicht ausgelegt. So kann bereits die Anfahrt zum Stellplatz eine Herausforderung oder sogar unmöglich sein. Im Urlaubsland Kroatien ist es an den Küsten oftmals so steil und eng, dass die Anfahrt mit Anhänger nicht machbar ist. Okay, es ist natürlich auch die Größe des Anhängers entscheidend. Manch ein 750kg Anhänger verschwindet so, dass dieser fast nicht auffällt, bis es dann ans Rangieren geht!

Anhänger und der Ford Transit

Ein Thema welches schon seit längerem auch in unserer Redaktion für Unverständnis sorgt, ist das Thema Anhänger beim aktuellen Ford Transit 170PS Automatik.

Unser Autorenkollege aus der Redaktion nextDrive.de CONSTRUCTION kaufte sich im Jahre 2021 einen Challenger auf Ford Transit Basis. 170PS, Automatik und Anhängerkupplung sollte es dann werden. Mit Blick auf die Zulassung wurde auch hier eine Anhängelast von ca. 2t ausgewiesen. Also nichts wie ran mit der Anhängerkupplung. Doch hier wurde der Aufkleber in der Beifahrertüre, welcher unter anderem das Gesamte Zuggewicht nach Herstellerangabe ausweist , zu einem ersten Hindernis. Hier wurden dann dem gesamten Zug ein Gewicht von nur noch knappe 4,2t zugestanden, was dann rein rechnerisch nur noch einen Anhänger von maximal 700kg erlauben würde. Geplant war ein kleiner Stadtflitzer um am Zielort weiter mobil zu sein!

Auf Nachfrage beim Camper Hersteller und bei Ford wurde immer auf den Anderen verwiesen. Nun hat sich herausgestellt, dass der Hauptgrund für diese krasse Einschränkung des gesamten Zuggewichts in der verbauten Automatik liegt. Das gleiche Fahrzeug ohne Automatik hat volle Anhängelast.

Auch hat Ford Deutschland mittlerweile die Aussage zur Garantie konkret auf den Punkt gebracht und weist auf einen eventuellen Verlust der Werksgarantie auf einzelne Bauteile, wenn das Gesamte Zuggewicht überschritten wird. Also auch bei einer Fahrzeug-Auflastung über diese 4,2t zGM.

Der Fiat Ducato liegt im gesamten Zuggewicht bei 6t! Da geht auch mal ein Stadtflitzer auf den Trailer.

Das Auflasten

Und so kommen wir zum Auflasten. Wie oben zu lesen ist, hat auch hier der Ford Transit 170PS mit Automatik seinen Nachteil. Aber bei den anderen Modellen, wie Fiat Ducato, Mercedes Benz Sprinter, Renault Master etc. ist durchaus eine Auflastung machbar. Hier gilt es nach den Vorgaben der Basis Hersteller zu Fragen. Also, was ein Basis Hersteller für welchen Typ unter welchen Umbauten freigegeben hat. Oft ist eine Zusatzluftfederung an der hinteren Achse nötig. Auch sind meistens noch andere Felgen und Reifen mit einer höheren Traglast nötig. Hier kommt es aber auf das jeweilige Fahrzeug an, und auf das was schon verbaut wurde.

Kurz gesagt, es wird technisch aufgerüstet, und somit technisch etwas verändert. Diese Änderungen können einzelne TÜV Einträge nach sich ziehen. Die Auflastung muss eh dann in die Papiere eingetragen werden. Erst dann ist eine Auflastung offiziell!

Die Kosten für eine Auflastung sind nicht zu vernachlässigen, denn sie belasten mit bis zu mehren Tausend Euro die Kasse. Da kommen Zusatzluftfederung, neue Reifen, neue Felgen und die Eintragung, je nach Vorgaben des Basis Herstellers, bei einer Auflastung auf den Camper Besitzer zu!

Regeln nach dem Auflasten

Nach einer Auflastung hat man einen „anderen Fahrzeugtyp“. Also nicht mehr Sonderfahrzeug Wohnmobil bis 3,5t zGM (zulässige Gesamtmasse), sondern ab 3,5t zGM. Hier sind nun andere Regeln zum Beispiel laut der deutschen Straßenverkehrsordnung zu beachten. So zum Beispiel die maximale Höchstgeschwindigkeit von 100km/h auf der Autobahn, LKW Überholverbote gelten, sofern sie nicht die Ausnahme Wohnmobil ausweisen, dann auch für den Camper, und viele weitere Punkte.

Die Mautsätze im Ausland sind dann für Camper ab 3,5t zGM auch höher. In Österreich wird zum Beispiel die GO-Box fällig. So kann man nicht mehr einfach einen Sticker kaufen und in die Windschutzscheibe einkleben. Es wird dann nicht mehr pauschal abgerechnet, sondern pro Kilometer zu Nutzfahrzeugtarifen!

Eine Reise durch das Ausland kann so recht teuer werden, denn oft sind die Mautsätze ab 3,5t zGM mit Nutzfahrzeugen gleich gesetzt! Und diese sind recht hoch angesetzt!

Zudem muss in Frankreich der Aufkleber für den Totenwinkel an den Camper. Hier muss der Aufkleber mit dem BUS Symbol genutzt werden. Der Aufkleber mit dem LKW ist nicht für den Camper!

Wo liegt nun die Entscheidung?

Auch wir von Camper1x1.de haben hierauf keine 100%ige Lösung, denn die Auflastung und der Anhänger haben Vorteile und Nachteile. Wir haben uns in der Redaktion für einen Anhänger entschieden, da wir öfters auch mal Motorräder für Biker1x1.de, und viel an Ausrüstung für unsere Camper1x1.de WORKSHOP TOUREN dabei haben. Und wenn wir mal keinen zusätzlichen Bedarf an Gewicht etc. haben, kann unser Camper wie ein leichter 3,49tner gefahren werden. Das Parkplatzproblem für den Anhänger haben wir derzeit noch nicht so ganz gelöst, aber wir sind dran!

Gesamt gesehen, sollte man mit Anhänger ein guter Camper Fahrer/in sein, und sich dies auch zutrauen. Ab 2024 werden wir von Camper1x1.de mit Fahrsicherheitspartner WORKSHOP TOUREN anbieten, wo zum Beispiel die Handhabung eines Anhängers hinter einem Camper trainiert wird. Weitere Informationen in Kürze hier auf Camper1x1.de unter WORKSHOP TOUREN!

Bei der Auflastung muss man mit den maximalen Gewichten arbeiten, denn das Auflasten an sich ist nicht mit dem möglichen Mehrgewicht auf dem Anhänger zu vergleichen. Bei der Auflastung sind es meistens nur ein paar hundert Kilo. Beim Anhänger kann das zusätzliche Gewicht inkl. Anhänger schon mal bis auf 2,5t gehen!

Und zum guten Schluss muss man sich auch die Frage stellen, was man mitnehmen möchte. Ist dies nur etwas mehr an Ausrüstung, kann auch das Auflasten Sinn machen. Bei Bikes, dem Quad, den Boot und dem Stadtflitzer geht es nur mit einem passenden Anhänger.

Bilder und Text: Achim Daniels Camper1x1.de

Bilder Zusatzluftfederung: Goldschmitt

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